Abwasseranlagen brauchen qualifiziertes Betriebspersonal!

Gemeinsame Empfehlung zur Nachwuchsgewinnung

Eine leistungsfähige Abwasserbeseitigung ist unverzichtbare Grundlage für unsere Umwelt und Lebensqualität. Nahezu 100 Prozent der Bevölkerung Baden-Württembergs sind inzwischen an öffentliche Abwasseranlagen angeschlossen. Unterstützt durch staatliche Förderung haben die Städte und Gemeinden im Land in den letzten Jahrzehnten mehr als acht Milliarden Euro in den Neu- bzw. Ausbau von Abwasseranlagen investiert.

Erfolgreicher Anlagenbetrieb dank qualifiziertem Personal
Die Technik von abwassertechnischen Anlagen ist komplex und kostenintensiv. Verbesserte Regenwasserbehandlung, die Umsetzung von Maßnahmen aus den Bewirtschaftungsplänen der Wasserrahmenrichtlinie und die Spurenstoffentnahme stellen zusätzlich neue Herausforderungen dar. Und zwar nicht nur bezüglich der technischen Ausstattung der Anlagen, sondern auch für das Personal, von dessen Qualifizierung der erfolgreiche Anlagenbetrieb maßgeblich abhängt. Seit 1984 werden in Baden-Württemberg Ver- und Entsorger und seit 2003 Fachkräfte für Abwassertechnik in einem dreijährigen Lehrberuf ausgebildet. Mit der Einführung der berufsbegleitenden Ausbildung von Abwassermeister/-innen wurde 1994 ein weiterer Schritt zur Qualifizierung von Fach- und Führungspersonal für die Kläranlagen im Land vollzogen. Vor diesem Hintergrund ist der erfolgreiche Stand der heutigen Abwasserreinigung in Baden-Württemberg vor allem dem fachkundigen Betriebspersonal zu verdanken.

Hohe Standards durch demografischen Wandel gefährdet
Die Altersverteilung des Betriebspersonals auf den Kläranlagen in Baden-Württemberg zeigt, dass in den nächsten Jahren viele qualifizierte und erfahrene Fachkräfte in den Ruhestand gehen werden. Zugleich sind die Ausbildungszahlen für Fachkräfte in der Abwassertechnik von 2005 bis 2015 von über 50 auf 36 Auszubildende pro Jahr zurückgegangen. Diese Entwicklung macht deutlich, dass wir durch den altersbedingten Verlust erfahrener Mitarbeiter/-innen bei gleichzeitigem Rückgang an Schulabgänger/-innen, die für eine Ausbildung zur Verfügung stehen, in den nächsten Jahren ein deutliches Defizit an Fachpersonal für die Abwasseranlagen in Baden-Württemberg zu erwarten haben. Um den drohenden personellen Engpässen nachhaltig entgegenzuwirken, ist entschlossenes Handeln geboten. Wir legen Kommunen, Anlagenbetreibern und Behörden daher dringend nahe, sich aktiv für die Nachwuchsgewinnung im Abwasserbereich zu engagieren. Nur wenn es gelingt, Nachwuchskräfte für die Aus- und Weiterbildung zu gewinnen, wird es möglich sein, den wirtschaftlichen Betrieb von Abwasseranlagen sicherzustellen und damit dem Gewässerschutz auch künftig gerecht zu werden.